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Grundlagen

Klimafaktor im Energieausweis: Was er ist, woher er kommt und wie er Ihr Ergebnis verändert

Aktualisiert am 29. September 2026 · Energieausweis Sofort · Lesezeit ca. 3 Minuten

Das Wichtigste in Kürze: Der Klimafaktor rechnet den gemessenen Heizverbrauch auf ein langjähriges Normaljahr um, damit Ausweise aus kalten und milden Jahren und aus verschiedenen Regionen vergleichbar sind. Er wird vom Deutschen Wetterdienst für jede Postleitzahl und jeden Zeitraum veröffentlicht. Ein Faktor über 1 bedeutet: Der Zeitraum war milder als normal, der Verbrauch wird nach oben korrigiert.

Warum gibt es den Klimafaktor?

Der Verbrauchsausweis soll die energetische Qualität eines Gebäudes zeigen, nicht das Wetter der letzten drei Jahre. Ein Haus in Garmisch verbraucht bei gleicher Bauweise mehr als eines in Freiburg, und in einem milden Winter weniger als in einem strengen. Ohne Korrektur wäre ein Ausweis aus dem milden Winter 2023/24 besser als derselbe Ausweis aus dem kalten Winter 2010/11. § 82 GEG schreibt deshalb die Witterungsbereinigung vor, und die Klimafaktoren sind das Werkzeug dafür.

Wie funktioniert die Berechnung?

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) misst an rund 2.000 Stationen die Außentemperaturen und berechnet daraus die Gradtagzahlen: die Summe der Temperaturdifferenzen zwischen Raum- und Außentemperatur an Heiztagen. Für jeden Standort wird dieser Wert für den Abrechnungszeitraum mit dem langjährigen Mittel des Referenzstandorts verglichen. Das Ergebnis ist der Klimafaktor:

  • Faktor 1,00: Der Zeitraum entsprach genau dem Normaljahr.
  • Faktor 1,20: Der Zeitraum war deutlich milder, der Heizverbrauch wird um 20 % erhöht.
  • Faktor 0,90: Der Zeitraum war kälter, der Heizverbrauch wird um 10 % gesenkt.

Der Faktor wird nur auf den Heizanteil angewendet. Der Warmwasseranteil ist wetterunabhängig und bleibt unverändert. Bei drei Abrechnungsjahren gibt es drei Faktoren, jeder Zeitraum wird einzeln korrigiert und dann der Mittelwert gebildet.

Beispielrechnung

ZeitraumVerbrauch gesamtWarmwasserHeizungKlimafaktorHeizung bereinigt
202318.000 kWh3.600 kWh14.400 kWh1,2618.144 kWh
202417.200 kWh3.600 kWh13.600 kWh1,2617.136 kWh
202518.500 kWh3.600 kWh14.900 kWh1,1717.433 kWh

Mittelwert Heizung bereinigt: 17.571 kWh, plus Warmwasser 3.600 kWh = 21.171 kWh. Bei 180 m² Gebäudenutzfläche ergibt das 118 kWh/(m²·a), Effizienzklasse D. Ohne Klimafaktor wären es 99 kWh/(m²·a) und Klasse C. Der Unterschied zeigt, warum der Faktor für einen fairen Vergleich unverzichtbar ist.

Aktuelle Werte: Warum die Faktoren derzeit hoch sind

Das Normaljahr des DWD basiert auf dem Zeitraum 1981 bis 2010. Die Jahre seit 2018 waren fast durchgehend wärmer, deshalb liegen die Klimafaktoren in den meisten Regionen Deutschlands zwischen 1,10 und 1,30. In Mittelgebirgs- und Alpenlagen sind sie niedriger, weil dort ohnehin kältere Referenzwerte gelten. Für Gießen lagen die Faktoren für 2023 und 2024 bei rund 1,26. Praktisch heißt das: Ihr Ausweis weist einen höheren Verbrauch aus als Ihre Rechnung, und zwar bewusst. Ein Käufer bekommt so den Wert, mit dem er in einem normalen Winter rechnen muss.

Woher kommen die Werte und wer prüft sie?

Der DWD veröffentlicht die Klimafaktoren kostenlos auf seinem Open-Data-Portal, monatlich aktualisiert, für jede Postleitzahl und jeden möglichen Zwölfmonatszeitraum. Unser System bezieht die passenden Faktoren für Ihre Postleitzahl und Ihre Abrechnungszeiträume automatisch und weist sie im Ausweis auf Seite 3 in der Spalte "Klimafaktor" aus. Damit sind die Werte nachvollziehbar und im Rahmen der Stichprobenkontrolle des DIBt überprüfbar.

Häufige Fragen

Kann ich den Klimafaktor beeinflussen?

Nein. Er hängt nur von Standort und Zeitraum ab. Beeinflussen können Sie nur den tatsächlichen Verbrauch.

Warum ist mein Faktor anders als der meines Nachbarn?

Wenn die Abrechnungszeiträume unterschiedlich liegen, etwa Januar bis Dezember gegenüber Juli bis Juni, gelten andere Faktoren.

Gibt es den Klimafaktor auch beim Bedarfsausweis?

Nein. Der Bedarfsausweis rechnet von vornherein mit normierten Klimadaten für einen Referenzstandort.

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